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Pagliacci
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Pagliacci (deutscher Titel: Der Bajazzo, wörtlich: âBajazzosâ oder âClownsâ) ist eine veristische Oper in einem Prolog und zwei Akten von Ruggero Leoncavallo, der auch das Libretto verfasste. Die UrauffĂŒhrung fand 1892 im Teatro Dal Verme in Mailand unter dem Dirigenten Arturo Toscanini statt. Pagliacci ist Leoncavallos gröĂter Erfolg und sein einziges Werk, das noch heute Teil des Standard-Opernrepertoires ist.
Contents
âą Handlung
âą Prolog
âą Erster Akt
âą Zweiter Akt
âą Gestaltung
âą Musik
âą Orchester
âą Werkgeschichte
âą Aufnahmen
âą Digitalisate
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Handlung
Bei einer Truppe von fahrenden Schauspielern im Italien des spĂ€ten 19. Jahrhunderts erfĂ€hrt der AnfĂŒhrer Canio kurz vor seinem Auftritt von der Untreue seiner Frau Nedda, die eine AffĂ€re mit Silvio hat. Canio singt daraufhin die berĂŒhmte Arie Vesti la giubbia mit der an sich selbst gerichteten Textzeile Ridi, pagliaccio, sul tuo amore infranto (âLache, Bajazzo, ĂŒber Deine zerbrochene Liebeâ). Noch wĂ€hrend dieser AuffĂŒhrung stellt Canio seine Frau zur Rede, wobei RealitĂ€t und BĂŒhnenspiel tragisch ineinander ĂŒbergehen; am Ende tötet Canio im Affekt sowohl Nedda als auch ihren Geliebten Silvio vor den Augen des entsetzten Publikums.
Prolog
Tonio tritt im KostĂŒm seiner Komödienfigur Taddeo vor den geschlossenen Vorhang und heiĂt das Publikum mit einer Rede ĂŒber die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Schauspiel und RealitĂ€t willkommen (âSi puĂČ?â). Im Namen des Librettisten und Komponisten bereitet er die Zuschauer auf ein besonders realitĂ€tsnahes StĂŒck vor.
Erster Akt
Festplatz an einer Wegkreuzung auf dem Land; im Hintergrund ein Dorf; rechts ein Jahrmarkttheater
Szene 1. Canio zieht mit seiner Commedia-dellâarte-Truppe ins Dorf und lĂ€dt die jubelnde Menge zur Abendvorstellung ein (Canio: âUn grande spettacoloâ). Der missgestaltete Tonio will Canios Frau Nedda beim Absteigen vom Karren helfen, wird aber von dem eifersĂŒchtigen Canio mit einer krĂ€ftigen Ohrfeige zurechtgewiesen. Tonio schwört sich, Canio dafĂŒr bĂŒĂen zu lassen. Als ein Bauer Canio ins Wirtshaus einlĂ€dt, entschuldigt sich Tonio, er mĂŒsse noch den Esel versorgen. Die Bauern scherzen, er wolle wohl mit der hĂŒbschen Nedda allein bleiben. Canio reagiert darauf mit unterdrĂŒckter Wut. Er verkĂŒndet lĂ€chelnd, anders als auf der BĂŒhne, wo er als Pagliaccio stĂ€ndig den verlachten betrogenen Gatten spielen mĂŒsse, wĂŒrde er im echten Leben Untreue mit dem Tod rĂ€chen (Canio: âUn tal gioco, credetemiâ). Nedda beunruhigen diese Worte tief. Musikanten treffen ein, und die Dorfbevölkerung zieht mit ihnen unter GlockengelĂ€ut zur Vesper in die Kirche (Glockenchor: âDin don, suona vesperoâ). Canio und Peppe machen sich unterdessen mit einigen Bauern auf den Weg zur Taverne.
Szene 2. Die allein zurĂŒckgebliebene Nedda besingt neidisch die Freiheit der Vögel (Nedda: âHui! Stridono lassĂč, liberamenteâ). Tonio nĂ€hert sich und macht ihr Avancen, die sie erst spottend, dann immer schroffer zurĂŒckweist. Als er zudringlich wird, schlĂ€gt sie ihn mit Peppes Peitsche in die Flucht.
Szene 3. Wenig spĂ€ter erscheint Neddas wahrer Geliebter, der junge Bauer Silvio. Er ignoriert Neddas Warnung vor ihrem eifersĂŒchtigen Mann, den er mit Peppe in der Taverne gesehen hat, und fleht sie an, noch diese Nacht mit ihm zu fliehen (Duett: âNon mi tentarâ). Sie willigt nach einigem Zögern ein, und beide kĂŒssen sich innig. Tonio beobachtet die Szene und alarmiert Canio.
Szene 4. Tonio und Canio schleichen sich vorsichtig an, um das Paar in flagranti zu erwischen. Silvio kann in letzter Sekunde unerkannt fliehen. Mit dem Messer drohend, verlangt Canio von Nedda den Namen des Geliebten, doch Peppe tritt dazwischen und entreiĂt ihm die Waffe. Er weist Canio darauf hin, dass die ersten GĂ€ste schon zur Vorstellung kommen, und fĂŒhrt Nedda zur Umkleide ins Theater. Tonio beruhigt Canio damit, dass er Nedda im Auge behalten werde. Der Liebhaber werde mit Sicherheit zum Schauspiel kommen und sich dort verraten. FĂŒr den betrogenen Canio scheint das Schicksal seiner Komödienfigur zur RealitĂ€t geworden zu sein (âVesti la giubbaâ mit dem Ausruf âRidi, Pagliaccioâ). Er macht sich traurig auf den Weg zur BĂŒhne.
Zweiter Akt
Dieselbe Szene wie im ersten Akt; Abend
Szene 1. Angelockt von den Rufen Tonios strömt das Volk in das Theater. Einige sind ungeduldig, andere streiten um die PlĂ€tze. Die bereits als Colombina verkleidete Nedda sammelt das Eintrittsgeld ein und warnt dabei heimlich den tatsĂ€chlich anwesenden Silvio vor Canios Zorn. Endlich hebt sich der Vorhang der kleinen BĂŒhne.
Szene 2. Die Komödie beginnt: Von ihrem Mann Pagliaccio (Canio) alleingelassen, wartet Colombina auf ihren Geliebten Arlecchino (Peppe), der ihr drauĂen ein StĂ€ndchen bringt (Peppe: âO Colombina, il teneroâ). Statt seiner tritt Taddeo (Tonio) ein und macht ihr den Hof. Arlecchino klettert durchs Fenster, vertreibt ihn, und die beiden Liebenden setzen sich zum Essen an den Tisch. Arlecchino reicht Colombina ein FlĂ€schchen mit einem Schlaftrunk, den sie ihrem Mann einflöĂen soll, damit sie gemeinsam fliehen können. Da kommt Pagliaccio nach Hause. Taddeo warnt das Paar gerade noch rechtzeitig und versteckt sich. Als jedoch Nedda/Columbina dem fliehenden Arlecchino (Peppe) die gleichen liebevollen Abschiedsworte nachruft wie am Nachmittag ihrem Silvio, verliert Canio/Pagliaccio die Contenance: Indem er Spiel und Ernst zu vermischen beginnt, fragt er Nedda erneut nach dem Namen seines Nebenbuhlers (Canio: âNo! Pagliaccio non son!â). Nedda versucht noch, die Komödie fortzufĂŒhren. Die Zuschauer sind hingerissen von dieser IntensitĂ€t und applaudieren dem so real wirkenden vermeintlichen Spiel. Erst als Canio einen Dolch ergreift, erkennt das Publikum den Ernst der Lage. Tonio hindert den inzwischen eingetroffenen Peppe daran, einzugreifen. Nedda versucht zu fliehen, wird aber von Canio eingeholt, der ihr das Messer in den RĂŒcken stöĂt. Mit ihren letzten Worten ruft sie ihren Geliebten Silvio zu Hilfe und verrĂ€t ihn damit. Auch er wird vom rasenden Ehemann erstochen. AnschlieĂend bleibt Canio wie versteinert stehen und lĂ€sst die Waffe fallen. Tonio (in einigen Fassungen Canio) schickt das Publikum zynisch mit den Worten âLa commedia Ăš finitaâ (âDie Komödie ist ausâ) nach Hause.
Gestaltung
Musik
Die beiden Akte sind durch ein Intermezzo miteinander verbunden.cite-ref-2[1.1] Die Komposition folgt weder den Prinzipien einer Nummernoper, noch ist sie konsequent durchkomponiert. Sie ist klar gegliedert und besitzt in sich abgeschlossene Teile, die durch einheitliche Tonarten, Motivik und periodische Elemente wie Musiknummern wirken, obwohl sie keine traditionellen musikalischen Formen haben. Es gibt mehrere ariose Abschnitte, die durch ihre KĂŒrze den Spannungsverlauf nicht behindern. Die Chorszenen dagegen sind wie groĂe Genrebilder ausgefĂŒhrt. Leoncavallos Kunst bestand darin, die Arien, Chöre und EnsemblestĂŒcke zu effektvollen groĂen Szenen zusammenzufassen.cite-ref-4[2.1]cite-ref-piper-5-0[3] Wichtigstes Ziel ist die âDarstellung Ă€uĂerer wie innerer VorgĂ€ngeâ der realistisch dargestellten Charaktere. Einige Themen werden wie Leitmotive verarbeitet.cite-ref-piper-5-1[3] Beispiele sind Tonios Rachemotiv, Canios Trauerthema (âRidi, Pagliaccioâ) oder das Liebesmotiv von Nedda und Silvio.cite-ref-harenberg-6-0[4] Die drei Hauptmotive werden schon in der OuvertĂŒre vorgestellt. Nach dem Largo assai erscheint zunĂ€chst in den Hörnern das Trauermotiv. Dieses schlieĂt auch im dreifachen Forte die gesamte Oper ab. In der OuvertĂŒre folgt unmittelbar danach in den Violinen das Liebesmotiv. Als letztes wird das Eifersuchtsmotiv âmisteriosoâ in den Violoncelli vorgestellt. Dieses erklingt immer wieder an den entsprechenden Stellen und auch am Höhepunkt der Oper, als Canio seinen Rivalen identifiziert und tötet.cite-ref-7[1.2]
Neddas Vogellied in der zweiten Szene ist ein âzitiertes Liedâ, dessen Einleitung lautmalerisch die Natur darstellt. Es ist in vier musikalisch sehr unterschiedlich gestaltete Strophen mit stetigen Metrumwechsel gegliedert. Der Text hingegen folgt wie ein Volkslied der strengen Form des Kreuzreims.cite-ref-8[1.3]
Das Liebesduett in der dritten Szene besteht aus drei langsamen Teilen (Andante amoroso â Andante appassionato â Largo assai) und ist von langen kantablen Abschnitten geprĂ€gt. Der Kuss am Ende wird vom Violoncello begleitet.cite-ref-grove-9-0[5]
Die Komödie im zweiten Akt enthĂ€lt den Charakteren der Commedia dellâarte entsprechend Referenzen an Ă€ltere Musik, darunter stilisierte TĂ€nze wie Menuett oder Gavotte. Diese werden dann von den leidenschaftlichen GefĂŒhlsausbrĂŒchen Canios verdrĂ€ngt.cite-ref-piper-5-2[3]
Orchester
Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:cite-ref-piper-5-3[3]
⹠HolzblÀser: drei Flöten (3. auch Piccolo), zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, Bassklarinette, drei Fagotte
âą zwei Harfen
âą Streicher
âą BĂŒhnenmusik: Oboe, Trompete, Schlagzeug (groĂe Trommel, Becken, drei Glocken in F, A und C, groĂe Glocke), Violine
Werkgeschichte
Die Anregung zu dieser Oper erhielt Leoncavallo 1890 nach dem groĂen Erfolg von Pietro Mascagnis ebenfalls veristischer Oper Cavalleria rusticana.cite-ref-piper-5-4[3] Er hatte nach einer wenig fruchtbaren Zusammenarbeit mit seinem Verleger Ricordi gebrochen und ĂŒberzeugte nun den MailĂ€nder Verleger Edoardo Sonzogno, einen Förderer des Verismo, von seiner Qualifikation, indem er ihm Pagliacci vorlegte. Seiner eigenen Aussage zufolge hatte er Text und Musik 1891 innerhalb von nur fĂŒnf Monaten fertiggestellt.cite-ref-10[1.4] Sonzogno akzeptierte das Werk sofort und brachte es bereits am 21. Mai 1892 im MailĂ€nder Teatro Dal Verme auf die BĂŒhne.cite-ref-11[2.2]
Leoncavallo behauptete, dass die Handlung auf einem Kriminalfall aus seiner eigenen Kindheit in Kalabrien basiere, in dem sein Vater Vincenzo als Magistrat das Urteil gesprochen hatte.cite-ref-grove-9-1[5] Die italienische Musikologin Teresa Lerario wies jedoch nach, dass dieser Fall nur wenig Gemeinsamkeiten mit der Oper aufweist.cite-ref-csampai-12-0[6] Stattdessen hat das von Leoncavallo selbst verfasste Libretto groĂe Ăhnlichkeiten mit zwei einige Jahre zuvor erschienenen TheaterstĂŒcken: Manuel Tamayo y Bausâ Un drama nuevo von 1867 und Catulle MendĂšsâ La femme de Tabarin von 1887. Beide StĂŒcke kannte Leoncavallo wahrscheinlich. Un drama nuevo wurde schon frĂŒh ins Italienische ĂŒbersetzt und in Italien viel gespielt. La femme de Tabarin hatte er in Paris sehen können.cite-ref-piper-5-5[3] Dessen Autor MendĂšs warf Leoncavallo 1894 vor, sein Werk plagiiert zu haben. In diesem Zusammenhang stellte Leoncavallo seine Behauptung auf. Der Streit selbst wurde nach einiger Zeit ungeklĂ€rt beigelegt. Noch im Jahr 1900 ergĂ€nzte Leoncavallo seine Geschichte und erklĂ€rte, selbst Zeuge des Mordes gewesen zu sein, den er detailreich beschrieb. Ein Diener im Haus seiner Familie sei das Vorbild fĂŒr den Silvio seiner Oper gewesen. AuĂerdem versicherte er, dass er keines der beiden Schauspiele vor der Komposition der Pagliacci gesehen habe.cite-ref-13[2.3] Arthur Scherle wies allerdings nach, dass einzelne Formulierungen âfast wörtlich aus den Quellen ĂŒbernommen und ĂŒbersetzt wurdenâ.cite-ref-csampai-12-1[6] Eine frĂŒhe Opernfassung von La femme de Tabarin mit dem Titel Tabarin hatte Leoncavallo vermutlich 1885 ebenfalls gesehen. Deren Schluss Ă€hnelt demjenigen von Pagliaci sehr stark und enthĂ€lt bereits die Schlussworte âLa piĂšce est jouĂ©e, mes bons messieursâ.cite-ref-13-1[2.3] Eifersuchtsdramen mit gewalttĂ€tigem Ausgang waren zu dieser Zeit sehr in Mode. Auch fĂŒr die Spiel-im-Spiel-Handlung gab es bereits viele Vorbilder. Leoncavallos OriginalitĂ€t zeigt sich vor allem in der Kombination der verschiedenen Bestandteile.cite-ref-grove-9-2[5]
Auch die Musik enthĂ€lt einige Anleihen anderer Komponisten. Es gibt viele Anspielungen an die Opern Richard Wagners. Einige Abschnitte basieren auf Robert Schumanns Novelette Op. 21, Nr. 3. Das âRidi, Pagliaccioâ ist dem dritten Akt von Verdis Otello entlehnt. Der Glockenchor könnte aus Emmanuel Chabriers Orchesterrhapsodie España stammen, ein Abschnitt des Duetts Nedda/Silvio aus Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio d-Moll und ein weiterer aus Ludwig van Beethovens Klaviersonate A-Dur Op. 101.cite-ref-4-1[2.1]
Dem Autograph zufolge sah Leoncavallo ursprĂŒnglich analog zur Cavalleria rusticana eine einaktige Oper vor, bei der das Vorspiel als Intermezzo zum zweiten Akt fungierte.cite-ref-piper-5-6[3] Er entschied sich dann jedoch fĂŒr eine deutlichere Trennung zwischen dem realistischen ersten Teil und dem zweiten Teil mit der Komödien-AuffĂŒhrung. Auch die gröĂeren Dimensionen des Werks lieĂen eine Aufteilung in zwei Akte sinnvoll erscheinen. Den Prolog ergĂ€nzte Leoncavallo nachtrĂ€glich speziell fĂŒr den SĂ€nger des Tonio, Victor Maurel.cite-ref-grove-9-3[5]
Die UrauffĂŒhrung am 21. Mai 1892 im Teatro Dal Verme in Mailand dirigierte Arturo Toscanini. Das BĂŒhnenbild stammte von C. Linzaghi. Es sangen Adelina Stehle (Nedda), Fiorello Giraud (Canio), Victor Maurel (Tonio), Francesco Daddi (Peppe) und Mario Roussel (Silvio). Letzterer war kurzfristig fĂŒr den ursprĂŒnglich vorgesehenen Mario Ancona eingesprungen.cite-ref-almanacco-14-0[7]
Das Werk war von Anfang an auĂerordentlich erfolgreich und gelangte dauerhaft ins internationale Repertoire. Es wird meist zusammen mit Cavalleria rusticana gespielt, obwohl sich beide Werke stilistisch und in der der Handlung zugrundeliegenden Ăsthetik deutlich unterscheiden.cite-ref-piper-5-7[3] Ăhnlichkeiten gibt es hingegen im Eifersuchts-Sujet und im sĂŒditalienischen Schauplatz sowie in der zweiteiligen Grundstruktur mit Intermezzo.cite-ref-grove-9-4[5]
Schon im Jahr nach der UrauffĂŒhrung gab es Produktionen in Prag, Budapest, London, New York, Buenos Aires, Mexiko, Dublin, Stockholm, Moskau und Petersburg.cite-ref-piper-5-8[3] Innerhalb von zwei Jahren erschienen Ăbersetzungen in allen europĂ€ischen Sprachen einschlieĂlich des Schwedischen und des Serbokroatischen. 1924 folgte eine hebrĂ€ische Fassung fĂŒr eine AuffĂŒhrung in Tel-Aviv.cite-ref-grove-9-5[5] GroĂe Nachwirkung erreichte Enrico Carusos Interpretation der Rolle des Canio, in der er Realismus und Belcanto vereinte.cite-ref-piper-5-9[3]
Die deutsche Fassung mit dem etwas ungenauen Titel Der Bajazzo stammt von Ludwig Hartmann.cite-ref-kloiber-15-0[8] Sie wurde erstmals am 5. Dezember 1892 in Berlin gezeigt.cite-ref-loewenberg-16-0[9]
Trotz des groĂen Publikumserfolgs wurde Pagliacci von der Kritik lange fĂŒr dilettantisch gehalten und als âbluttriefendes Ereignisâ abgelehnt. Dies Ă€nderte sich erst allmĂ€hlich nach einer Bemerkung des Musikschriftstellers RenĂ© Leibowitz, der sie als âstarke Oper von seltener expressiver IntensitĂ€tâ bezeichnete.cite-ref-csampai-12-2[6]
In der Literatur werden die folgenden Produktionen besonders hervorgehoben:
âą 1959 London â Dirigent: Bryan Balkwill, Regie und BĂŒhnenbild: Franco Zeffirelli; Nedda: Joan Carlyle, Canio: Jon Vickers.cite-ref-piper-5-10[3]
âą 1978 MĂŒnchen â Dirigent: Nello Santi, Regie: Giancarlo Del Monaco; Nedda: Teresa Stratas, Canio: PlĂĄcido Domingo.cite-ref-piper-5-11[3]
âą 1981 Mailand â Dirigent: Georges PrĂȘtre, Regie und BĂŒhnenbild: Franco Zeffirelli; Nedda: Elena Mauti Nunziata, Canio: PlĂĄcido Domingo.cite-ref-piper-5-12[3]
âą 1985 Wien â Dirigent: ĂdĂĄm Fischer, Regie und BĂŒhnenbild: Jean-Pierre Ponnelle; Ileana CotrubaÈ, Canio: PlĂĄcido Domingo.cite-ref-piper-5-13[3]
Aufnahmen
Pagliacci ist vielfach auf TontrĂ€ger erschienen. Operadis nennt 137 Aufnahmen im Zeitraum von 1907 bis 2009.cite-ref-17[10] Daher werden im Folgenden nur die in Fachzeitschriften, OpernfĂŒhrern oder Ăhnlichem besonders ausgezeichneten oder aus anderen GrĂŒnden nachvollziehbar erwĂ€hnenswerten Aufnahmen aufgefĂŒhrt.
âą 1907 â Carlo Sabajno (Dirigent), Orchester und Chor des Teatro alla Scala Mailand. Josefina Huguet (Nedda), Antonio Paoli (Canio), Francesco Cigada (Tonio), Gaetano Pini-Corsi (Peppe), Ernesto Badini (Silvio), Giuseppe Rosci (Bauer). Studioaufnahme; Ă€lteste bekannte Aufnahme; ĂŒberwacht vom Komponisten. Bongiovanni CD: GB 1120, OPAL LP: Opal 826/7 (2 LPs), House of Opera CD-ROM.cite-ref-19[11.1]
âą 2.â5. Juli 1934 â Franco Ghione (Dirigent), Orchester und Chor des Teatro alla Scala Mailand. Iva Pacetti (Nedda), Beniamino Gigli (Canio), Mario Basiola (Tonio), Giuseppe Nessi (Peppe), Leone Paci (Silvio), Arnaldo Borghi (Bauer). Studioaufnahme; Duett Silvio/Nedda gekĂŒrzt. Csampai/Holland: âDiskographische Empfehlungâ.cite-ref-csampai-12-3[6] Pearl CD: 9288, ARKADIA CD: 78038, EMI CD: 7 63309 2, Naxos historial 8.110155 (1 CD), Cantus Classics 500078 (2 CDs).cite-ref-20[11.2]
âą 1936 â Karl Grune (Regie), Richard Tauber (Canio). Britischer Musikfilm.cite-ref-21[12] â Der Bajazzo.
âą Januar 1953 â Renato Cellini (Dirigent), RCA Victor Orchestra, Robert Shaw Chorale. Victoria de los Ăngeles (Nedda), Jussi Björling (Canio), Leonard Warren (Tonio), Paul Franke (Peppe), Robert Merrill (Silvio), George Cehanovsky (Bauer), Richard Wright (Bauer). Studioaufnahme; gekĂŒrzt. Csampai/Holland: âDiskographische Empfehlungâ.cite-ref-csampai-12-4[6] Opernwelt-CD-Tipp: âkĂŒnstlerisch wertvollâ.cite-ref-harenberg-6-1[4] EMI CD: 7 49503 2 (1 CD), Naxos historical 8.110258 (1 CD), Cantus Classics 500607 (2 CDs).cite-ref-22[11.3]
âą Mai/Juni 1954 â Tullio Serafin (Dirigent), Orchester und Chor des Teatro alla Scala Mailand. Maria Callas (Nedda), Giuseppe Di Stefano (Canio), Tito Gobbi (Tonio), Nicola Monti (Peppe), Rolando Panerai (Silvio). Studioaufnahme; Duett Nedda/Silvio im ersten Akt gekĂŒrzt. Csampai/Holland: âDiskographische Empfehlungâ.cite-ref-csampai-12-5[6] Opernwelt-CD-Tipp: âkĂŒnstlerisch wertvollâ.cite-ref-harenberg-6-2[4] EMI CD: 7 47981 8, EMI LP: 29 1269 3, EMI MC: 29 1269 5, Naxos historical 8.111024 (1 CD), Cantus Classics 500607 (2 CDs).cite-ref-23[11.4]
âą Oktober 1965 â Herbert von Karajan (Dirigent), Orchester und Chor des Teatro alla Scala Mailand. Joan Carlyle (Nedda), Carlo Bergonzi (Canio), Giuseppe Taddei (Tonio), Ugo Benelli (Peppe), Rolando Panerai (Silvio), Giuseppe Morresi (Bauer), Franco Riccardi (Bauer). Studioaufnahme; Duett Nedda/Silvio im ersten Akt gekĂŒrzt. Opernwelt-CD-Tipp: âkĂŒnstlerisch wertvollâ.cite-ref-harenberg-6-3[4] DG CD: 449 727 2, DG CD: 419 257-2, DG/EL LP: 172 598/600.cite-ref-24[11.5]
âą August 1971 â Nello Santi (Dirigent), London Symphony Orchestra, John Alldis Choir. Montserrat CaballĂ© (Nedda), PlĂĄcido Domingo (Canio), Sherrill Milnes (Tonio), Leo Goeke (Peppe), Barry McDaniel (Silvio), Brian Etheridge (Bauer), Peter Hall (Bauer). Studioaufnahme; vollstĂ€ndig. Opernwelt-CD-Tipp: âkĂŒnstlerisch wertvollâ.cite-ref-harenberg-6-4[4] RCA CD: GD 60865, RCA LP: LSC 7090/1-2, RCA CD: 74321 50168 2.cite-ref-25[11.6]
âą 25. Dezember 1978 â Nello Santi (Dirigent), Bayerisches Staatsorchester MĂŒnchen, Chor der Bayerischen Staatsoper MĂŒnchen. Teresa Stratas (Nedda), PlĂĄcido Domingo (Canio), Benito di Bella (Tonio), Norbert Orth (Peppe), Wolfgang Brendel (Silvio). Live aus MĂŒnchen. Csampai/Holland: âDiskographische Empfehlungâ.cite-ref-csampai-12-6[6] House of Opera CDBB 294 (CD); Orfeo C 845 122.cite-ref-26[11.7]
âą 1982 â Georges PrĂȘtre (Dirigent), Franco Zeffirelli (Inszenierung), Orchester und Chor des Teatro alla Scala Mailand. Teresa Stratas (Nedda), PlĂĄcido Domingo (Canio), Juan Pons (Tonio), Florindo Andreolli (Peppe), Alberto Rinaldi (Silvio). Film; gekĂŒrzt; aufgenommen im Teatro alla Scala Mailand. Der Soundtrack wurde fĂŒr die Grammy Awards 1985 nominiert.cite-ref-grammy1985-27-0[13] Philips VI: 070 428 3, Philips CD: 411 484-4, Philips VI: 070 104-3 7, Philips LD: 070 104-1, Philips CD: 454 265 2, DGG 073 403 3 (1 DVD).cite-ref-28[11.8]
âą 26. September 1994 â James Levine (Dirigent), Franco Zeffirelli (Regie), Metropolitan Opera Orchestra, Metropolitan Opera Chorus. Teresa Stratas (Nedda), Luciano Pavarotti (Canio), Juan Pons (Tonio), Kenn Chester (Peppe), Dwayne Croft (Silvio), Glenn Bater (Bauer), John Hauviot (Bauer). Video; live aus New York; gekĂŒrzt. Csampai/Holland: âDiskographische Empfehlungâ.cite-ref-csampai-12-7[6] Deutsche Grammophon VI: 072 448-3, DGG 073 402-4 (1 DVD).cite-ref-29[11.9]
Digitalisate
âą Pagliacci: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
âą Libretto (italienisch), Mailand 1892. Digitalisat im Internet Archive
Weblinks
Commons
: Pagliacci
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⹠Pagliacci (Ruggero Leoncavallo) im Corago-Informationssystem der UniversitÀt Bologna
âą Handlung und Libretto von I Pagliacci in deutscher Ăbersetzung und im italienischen Original bei Opera-Guide
âą Diskografie zu Pagliacci bei Operadis
âą Werkinformationen und Libretto (italienisch) als Volltext auf librettidopera.it
Einzelnachweise
1. Hans-Joachim Wagner: Fremde Welten. Die Oper des italienischen Verismo. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01662-5, S. 171â180.
2. Alan Mallach: The Autumn of Italian Opera. From Verismo to Modernism, 1890â1915. Northeastern University Press, Boston 2007, ISBN 978-1-55553-683-1, S. 35â42.
cite-note-piper-53. â Egon Voss: Pagliacci. In: Pipers EnzyklopĂ€die des Musiktheaters. Band 3: Werke. Henze â Massine. Piper, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1989, ISBN 3-492-02413-0, S. 468â471.
cite-note-harenberg-64. â I Pagliacci. In: Harenberg OpernfĂŒhrer. 4. Auflage. Meyers Lexikonverlag, 2003, ISBN 3-411-76107-5, S. 453â456.
cite-note-grove-95. â Michele Girardi: Pagliacci. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
cite-note-csampai-126. â Bernhard Rzehulka: Der Bajazzo. In: Attila Csampai, Dietmar Holland: OpernfĂŒhrer. E-Book. Rombach, Freiburg im Breisgau 2015, ISBN 978-3-7930-6025-3, S. 959â954.
cite-note-almanacco-147. â 21. Mai 1892: âPagliacciâ. In: LâAlmanacco di Gherardo Casaglia
cite-note-kloiber-158. â Der Bajazzo (I Pagliacci). In: Rudolf Kloiber, Wulf Konold, Robert Maschka: Handbuch der Oper. 9., erweiterte, neubearbeitete Auflage 2002. Deutscher Taschenbuch Verlag / BĂ€renreiter, ISBN 3-423-32526-7, S. 374â376.
cite-note-loewenberg-169. â Alfred Loewenberg (Hrsg.): Annals of Opera 1597â1940. John Calder, London 1978, ISBN 0-7145-3657-1, Sp. 1156â1157 (online im Internet Archive).
cite-note-1710. â Diskografie zu Pagliacci bei Operadis.
3. Ruggiero Leoncavallo. In: Andreas Ommer: Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen (= Zeno.org. Band 20). Directmedia, Berlin 2005.
cite-note-grammy1985-2713. â 28th Annual Grammy Awards (1985), abgerufen am 22. September 2021.